Antidepressive Vagusnervstimulation (VNS-Therapie)
Die Vagusnervstimulation wird für die Behandlung von chronischen oder rezidivierenden Depressionen bei PatientInnen, die sich in einer schweren behandlungsresistenten Episode befinden, eingesetzt.
Der Vagusnerv ist der zehnte Hirnnerv und der größte parasympathische Nerv des Körpers, der an der Regulation der inneren Organe beteiligt ist. Die bisher bei Epilepsien eingesetzte Vagusnervstimulation zeigte im Verlauf der letzten Jahre einen antidepressiven Effekt und wird daher nun auch in der Depressionsbehandlung angewendet.
An unserer Abteilung wird die Vagusnervstimulation im Rahmen einer Klinischen Registerstudie durchgeführt.
Elektroenzephalographie (EEG)
Mittels Elektroenzephalographie (EEG) kann die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen und grafisch dargestellt werden. Die elektrische Aktivität im Gehirn entsteht durch Reiz- und Informationsübertragung von Nervenzellen der Hirnrinde. Diese EEG-Untersuchungen werden in Kooperation mit der Univ. Klinik für Neurologie durchgeführt.
Elektrokonvulsionstherapie
Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein modernes medizinisches Behandlungsverfahren, welches als Alternative zu pharmakologischen Therapieoptionen bei schweren psychiatrischen Krankheitsbildern, insbesondere bei Pharmako-Resistenz (z.B. Therapie-resistente Depression), zum Einsatz kommt.
Die EKT ist eine standardisierte Hirnstimulationsmethode, welche an unserer Klinik in Kooperation mit der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie durchgeführt wird. Die Wirksamkeit der EKT ist wissenschaftlich anerkannt, allerdings sind die genauen Wirkmechanismen bis heute nicht gänzlich geklärt.
Im Rahmen unsere Forschungsgruppe für Elektrokonvulsionstherapie besteht für depressive Patient:innen, die sich einer EKT unterziehen, die Möglichkeit, an Studienprogrammen teilzunehmen, um Faktoren, welche das Ansprechen auf die EKT beeinflussen, genauer zu untersuchen.
Esketamin Nasenspray
Wenn bei mittelgradiger oder schwergradiger depressiver Episode, entweder episodisch oder chronifiziert, herkömmliche Antidepressiva und womöglich zusätzliche Psychopharmaka und Psychotherapie nicht ausreichend helfen, besteht eine sogenannte therapieresistente Depression (TRD).
Esketamin-Nasenspray ist seit Dezember 2019 als Spravato® bei therapieresistenter Depression (TRD) zugelassen. Nach einer geeigneten Nutzen-Risiko-Abwägung setzen wir die Substanz bei TRD sowohl stationär als auch ambulant ein. Wie in der Fachinformation empfohlen, wird der Nasenspray zweimal pro Woche gegeben und wirkt laut Zulassungsstudien und unseren Erfahrungen bei mindestens 50% der Patient:innen innerhalb von vier Wochen antidepressiv.
In der Spezialambulanz für therapieresistente Depression haben wir dafür eine Warteliste und einen exakt strukturierten Behandlungsplan, inklusive medizinischer Observation über jeweils etwa zwei Stunden und strukturierter Dokumentation.
Im Rahmen unserer universitären Aufgabe wollen wir Erfahrungen und Analysen innerhalb der standardgemäßen Versorgung auch publizieren (real world data), da es sich um eine relativ neue antidepressive Strategie handelt. Darüber hinaus haben wir schon seit Jahren kontrollierte Studien zur Wirkweise von Ketamin am Gehirn von Patient:innen oder Proband:innen durchgeführt.
Tiefe Hirnstimulation (deep brain stimulation)
Die Tiefe Hirnstimulation (engl.: deep brain stimulation, DBS) wird zur Behandlung von fortgeschrittenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen seit circa 25 Jahren in der klinischen Routine verwendet. Ein wesentliches Kennzeichen der DBS ist die tiefe Positionierung von Elektroden im Gehirn in Netzwerkzentren, welche aufsteigende Faserbündel und höhere kortikale Gebiete erreichen. Die erste FDA-Zulassung für Essentiellen Tremor fand 1997 statt, gefolgt von der Parkinson-Erkrankung und der Dystonie in 2003. Für psychiatrische Indikationen bestehen Zulassungen für die Zwangserkrankung seit 2009.
Die Methode beinhaltet das Einsetzen eines batteriebetriebenen Generators sowie das stereotaktische Einsetzen zumeist zweier Elektroden in exakt definierte Zielregionen. Die Tiefe Hirnstimulation an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie wird aktuell primär für die Behandlung von Zwangserkrankungen durchgeführt. Diese invasive neuromodulatorische Methode ist für sehr fortgeschrittene Krankheitsstadien nach gut dokumentierter fehlender Wirksamkeit von zwangsspezifischer Verhaltenstherapie (incl. Exposition) und fehlender Wirksamkeit von leitliniengetreuer medikamentöser Behandlung geeignet. Eine Behandlung von schweren und therapierefraktären Verläufen des Gilles-de-la-Tourette Syndrom mit Tiefer Hirnstimulation kann in Einzelfällen geprüft werden.
Die Operation in Vollnarkose mit post-interventioneller Intensive-Care-Unit-Überwachung wird in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Neurochirurgie und Neurologie durchgeführt. Jede klinische Indikationsstellung und Behandlung mit DBS erfolgt an der Univ. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ambulanz für Zwangserkrankungen, Tourette Syndrom und Tics. Aufgrund der Invasivität des Verfahrens wird vor einer Operation jeder Fall in einem inderdisziplinären Board bestehend aus einem:r Verhaltenstherapeut:in, einem:r Medizinethiker:in, Fachärzt:innen für Neurochirurgie, Neurologie und einem:r unabhängigen Fachärzt:in für Psychiatrie geprüft.